Aktuelles Frauen bei der FFW Oberkirch
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Freitag, 09. Januar 2015 07:04

Bericht aus der ARZ vom 09.01.2015

 

»Kein Platz für Eitelkeiten«

Elf Frauen sind in der Oberkircher Feuerwehr aktiv im Einsatz / Längst keine reine Männerdomäne
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Fühlen sich bei der Oberkircher Feuerwehr sehr akzeptiert: die Feuerwehrfrauen

(von links) Nathalie Huber, Laura Gratz, Sandra Huschle und Melanie Müller.

 

Frauen bei der Feuerwehr sind immer noch etwas Besonderes. Von den 333 Aktiven in den Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Oberkirch sind nur elf Frauen. Mit vier davon hat sich die ARZ getroffen. Fazit: Die Frauen fühlen sich von ihren männlichen Kollegen voll akzeptiert, haben Spaß in ihrem Ehrenamt und wünschen sich noch mehr Kolleginnen.

Als Melanie Müller vor 27 Jahren als 15-Jährige in die Jugendfeuerwehr eintrat, da war  sie die  erste Frau in einer reinen Männerdomäne. Das war nicht ganz leicht. »Da sind Welten aufeinander  geprallt. Das war für die Männer nicht einfach und für mich auch nicht«, schildert sie die  damalige Situation. Unter den Kameraden seien viele Nachkriegsfeuerwehrmänner gewesen, zur Geschlechterfrage gesellte sich ein Generationenkonflikt. Doch Melanie Müller blieb trotz der  Akzeptanzprobleme dabei. »Es hat mich gereizt, etwas zu machen, was nicht alle anderen Mädels  machen«, erklärt sie. Als Melanie Müller dann ihr Leistungsabzeichen in Bronze absolviert hatte, stieg die  Akzeptanz unter den männlichen Kollegen, heute ist ihr Geschlecht kein Thema mehr.
Gut aufgenommen
Melanie Müller musste noch um Anerkennung kämpfen, die anderen drei Feuerwehrfrauen hatten  es da deutlich leichter. »Nach meiner ersten Feuerwehrprobe sind die Jungs bestimmt nach Hause  und haben erst mal erzählt, dass da ein Mädchen dabei war«, berichtet Sandra Huschle lachend  von ihrer Premiere bei der Jugendfeuerwehr im Jahr 2003. Von Anfang an sei sie sehr positiv  aufgenommen worden. So erging es auch Nathalie Huber, die bis heute die einzige Feuerwehrfrau  in der Abteilung Nußbach ist. »Die Männer haben mich sehr gut aufgenommen«, sagt sie.
Die 20-jährige Laura Gratz absolviert gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Oberkircher  Feuerwehr. Sie stammt aus Breckerfeld in Nordrhein-Westfalen, wo sie ihre Feuerwehrkarriere in  der Jugendfeuerwehr begann. Was bei Melanie Müller noch eine absolute Besonderheit war, war  für Laura Gratz schon Normalität – in der Jugendfeuerwehr waren neben ihr noch weitere fünf  Mädchen. »Auf dem Dorf bei uns war nur wenig los, da ist man halt zur Feuerwehr«, erklärt sie  ihre ursprüngliche Motivation. Jetzt will sie ihre Kenntnisse während des FSJ weiter vertiefen.
Der Brand auf dem Hof der Großmutter war für Nathalie Huber der Anlass, sich bei der  Feuerwehr zu engagieren. Sandra Huschle und Melanie Müller sehen die »familiäre Vorbelastung«  als Grund: Vater, Großvater und sonstige männliche Familienangehörige waren bei der  Feuerwehr engagiert.
Die gleiche Arbeit
Große Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Dienst der Feuerwehr können die vier  Frauen nicht ausmachen. Alle Feuerwehrleute leisten die gleiche Arbeit. Bei einem Einsatz könne  man auf einzelne Befindlichkeiten keine Rücksicht nehmen, da müssen alle gleichermaßen ran.  Auch im Umgang mit dem Erlebten spiele das Geschlecht eine untergeordnete Rolle. »Jeder  Mensch hat eine andere Persönlichkeit und geht deshalb auf seine Art mit den Erlebnissen um«, sagt Sandra Huschle. Mit den Kameraden, der Familie und mit Freunden über die belastende  Erfahrungen zu sprechen, sei das Wichtigste.
Soziale Aspekte
Die soziale Komponente der Feuerwehrarbeit hat Melanie Müller einen neuen Aufgabenbereich erschlossen. Sie ist inzwischen Notfallseelsorgerin und kümmert sich bei Todesfällen, schlimmen Bränden und Suiziden um die betroffenen  Menschen und steht ihnen in der Extremsituation bei. »Ich habe gemerkt, dass ich mich mit der  Zeit bei einem Einsatz immer mehr um die sozialen Aspekte gekümmert habe. Deshalb habe ich  die zweijährige Ausbildung zur Notfallseelsorgerin gemacht«, erzählt sie.
Neben den Einsätzen, die auch belastende Situationen mit sich bringen, mache Feuerwehrarbeit sehr viel Freude, sind sich alle vier Frauen einig. »Bei einem Hochwasser bis zum Oberschenkel im Wasser zu stehen oder mal eine Katze vom Baum zu holen, macht auch richtig Spaß«, sagt  Melanie Müller. Mehr Kolleginnen im Team, fänden die Frauen schön. Doch eines stellen sie fest: »Für Eitelkeiten ist kein Platz. Wir haben einen Job zu erledigen, der ist technisch, schmutzig und  anstrengend.«

 

Autor: 
Katharina Reich

 

Link zum Bericht auf BO.de

 
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